geschrieben von Hans `Noway´ Rey, erstellt am 24.10.2006
Hans' & Peaty's Irish Pub Tour
- Dublin, Irland 20. Oktober 2006
- "Das wars, ich hatte genug, ich kann für bestimmt einen Monat oder sagen wir mal eine Woche keine Pubs mehr sehen", nachdem ich die letzten sechs Tage in einem Wohnmobil mit dem aktuellen Downhill World Cup Champion Steve Peat und dem irischen Fotograf Victor Lucas verbrachte.
Unsere Mission war es Einige der besten irischen Bike-Spots abzuklappern und zudem so viele Kneipen wie möglich zu besuchen, die auf unserem Weg lagen. Verschiedene Bikes von uns waren im Wohnmobil verstaut. Ich brachte mein GT i-drive 7, GT i-drive 5 und mein Trial Bike mit, Peaty kam mit seinem Santa Cruz V10 Downhiller und dem Nomad Freerider.
Unseren ersten Stop legten wir an der Guinness Brauerei ein und machten gleich eine kleine Urban Session durch die Straßen von Dublin, bevor wir uns westwärts auf den Weg Richtung Croagh Patrick, einem wahrlichen Wallfahrts-Berg an der Westküste von Irland begaben. Als wir endlich an der anderen Seite des Landes mit seinen schmalen und kurvigen Straßen ankamen, brachten wir es immerhin zustande an 7 Pubs anzuhalten, darunter auch Sean's Pub, dem ältesten Pub Irlands den es schon seit dem 16. Jahrhundert gibt. An dieser Stelle möchte ich die Gerüchte bestätigen das das süffige dunkle Guinness Bier, in Irland in der Tat besser schmeckt.
Wir kamen am nächsten Morgen recht langsam in die Gänge, nicht aufgrund vom Kater, sondern eher wegen dem feuchten und nebligen Wetter. Obwohl wir unsere Bikes erst zwei Stunden lang bergauf tragen und schieben mussten, entschieden wir uns für die schweren Geschosse - die Big Bikes. Saint Patrick's Mountain war schon eine Herausforderung, das Wetter war neblig und regnerisch. Oft hatten wir eine Sicht von weniger als 7 Metern, bis wir letztendlich die kleine Kirche oben am Berg erreichten. Es war kalt und windig. Laut Tradition müssen Pilgerer 15 mal um die Kirche laufen um von ihren Sünden befreit zu werden. Wir machten uns nichtmal die Mühe diese 15 Runden zu fahren.
Der Downhill war klasse. Große lose Steine und tiefe Abhänge. Kurz nachdem wir den Gipfel verließen kam die Sonne zwischen den Wolken hervor und gab einen atemberaubenden Blick unter uns frei. Die großartige Landschaft und Küstenlinie war eine Augenweide, ebenso wie Peatys Sprüngen über die losen Steine bei Highspeed zuzuschauen. Es war ein spaßiger Ritt talabwärt, der Trail eröffnete uns einige verschiedene interessante Lines.
Campbell's Pub kam gerade recht und das Bier schmeckte umso besser, nachdem es so hart erarbeitet werden musste. Peaty war nicht in der Verfassung zu viele Pubs auszulassen, seine Mission war es mindestens 30 verschiedene Kneipen während unseres Sechstagestrips zu besuchen, und halbvolle Gläser waren natürlich auch keine Option. Die Nacht parkten wir das Wohnmobil am Haus eines einheimischen Mountainbikers und relaxten.
Unser nächsten Stop war am Burren, einer gewaltigen felsigen Landschaft mit wenig Vegation und Meilen von rissigen Felsplatten, die eine Herausforderung darstellten und sehr spaßig zu fahren waren. Wir fuhren Teile des Burren Wegs, einem alten historischen und berühmten Wanderweg. Mittelalterliche Burgen, 5000 Jahre alte Dolmen und Steinzirkel markierten den Weg.
Das wetter war zwar nicht schön, aber zumindest regnete es nicht. Noch nicht. Es war nur gut aus dem Wohnmobil rauszukommen und durch diese abgelegene Landschaft zu treten. Am späten Nachmittag erreichten wir die Cliffs of Moher, die für mich der Hauptgrund waren nach Irland zu kommen. Die 200m hohen Klippen sind nahezu senkrecht und der Weg führt direkt am Abgrund entlang. Mein Traum war es entlang dem schmalen Felsvorsprung, der zwischen 2m und 20cm breit war und wie ein langer kurviger Balkon ohne Geländer aussah, zu fahren.
Nachdem wir an den Klippen ankamen mussten wir diesen Plan aber schnell zurückstellen. Das Wetter wurde schlecht, Horden von Touristen liefen überall herum und der Mann vom Sicherheitsdienst würde sicher niemanden nur in die Nähe der Kanten vorbeilassen. Wir änderten unseren Plan und gingen stattdessen in einen Pub, in der Hoffnung auf bessere Verhältnisse und mehr Glück am nächsten Morgen, bevor irgendwer sonst hinkommt.
Es sollte meine beste Kneipenerfahrung des gesamten Trips zu werden. Im kleinen Dorf Liscannor direkt an der Küste fanden wir vier Kneipen direkt nebeneinander.
Fünf Guiness später und einem leckeren Dinner mit Meeresfrüchten mit frischen Austern war es an der Zeit, in den zweiten Pub zu gehen. Nach einem schnellen Drink um unseren Durst zu stillen ging es schon weiter zu Egans Pub, wo die Einheimischen Irische Folksmusik spielten und der alte Kamin uns Wärme spendete. Etwas vorher wurde uns erzählt, das wenn wir Glück haben, der "T.O'Brien" Pub gegen 23:00 öffnen würde. Tatsächlich war er offen und drei Gestalten, geradezu aus den 50'ern gekommen, nahmen ein paar Drinks zu sich. Wir fühlten uns wahrlich in der Zeit zurückversetzt, diesen Ort musste es schon sehr lange geben. Seit bestimmt 50 Jahren wurde nichts mehr an der Einrichtung verändert, mit inbegriffen der Anzug und die Krawatte des Barkeepers.
Einheimische warnten uns vor den Aufwinden, die Menschen von den Klippen wehen konnten - und tätsächlich nahm der Wind über Nacht zu. Wir starteten recht früh und auch der extrastarke italienische Kaffee den ich brühte konnte unsere Köpfe nicht so ganz klar bekommen. Trotz dieser Tatsache und schlechtem Wetter war dies unsere einzige Möglichkeit die Klippen zu befahren, also machten wir es.
Es war ein tolles Gefühl an diesen ausgesetzten Kanten entlangzufahren und über das ein oder andere Gap zu springen. Nach einiger Zeit fühlten wir uns immer wohler und wagemutiger. Kurz nachdem wir an den Klippen fertig waren fing es an zu regnen. Trotzdem fuhren wir noch den Trail oberhalb der Klippen, der einer der spektakuläreren war den ich jemals gefahren bin. Wir folgten den ganzen Weg zu Hag's Head. Von dort aus fuhren wir zum Wohnmobil und weiter nach County Kerry im Süden von Irland.
Unser nächster Stop war das schöne Städtchen von Killarney und Ross Castle.
Am nächsten Tag unternahmen wir eine "Killer-XC" Tour auf der Old Kenmare Road, einem weiteren klassischen Wanderweg. Rory, ein einheimischer Mountainbiker, stieß zu uns und führte uns. Wieder einmal erwies sich die Tour besser als ich es erwartet habe. Der Trail war ungefähr 20 Meilen lang und bot fast alles an Hindernissen, die es zu bewältigen gab.
Einige gute Uphill Stücke, Wasserdurchquerungen, schlammige Abschnitte sowie sehr glitschige Felsstücke, die Trial Können erforderten. Peaty und ich forderten uns gegenseitig zu kleinen "Ride-Off's" heraus, um zu sehen wer es weiter schafft. Einige Abschnitte versuchten wir wieder und wieder, bis es einer oder beide von uns schafften. Es war sehr interessant unsere verschiedenen Stile zu vergleichen. Peaty überzeugte mich das Geschwindigkeit ein guter Freund sein kann, auch wenn es sehr rau und technisch ist, solange man das Können und den Mut dazu hat.
Die Landschaft veränderte sich immer wieder, manchmal sah es aus wie in den Schottischen Highlands, mal kam man in moosbedeckte Wälder oder Northshoreähnlichen Trails die uns über sumpfiges Gelände führten.
Völlig durchnässt kamen wir am Wohnmobil an. Den Rest der Zeit verbrachten wir damit Peaty's 30 Kneipen Plan zu verfolgen, mit Stops in Kenmare, Cork und nicht zuletzt Dublin, wo wir einige einheimische Biker trafen und ich eine kleine Trial Demo in einer der Kneipen gab.
31 Kneipen, exzellente Trails und schöne Erinnerungen. Die Fähre zurück nach UK nahmen wir am nächsten Morgen.